Obwohl der Haifang Anfang der Neunziger mengenmäßig nur rund 3% des gesamten Fischfanges ausmachte, wurden jährlich bereits etwa 1,8 Millionen Tonnen Hai angelandet. Die heutigen Zahlen betragen ein Vielfaches, wuchs doch die Nachfrage nach Knorpeln, Leber, Zähnen, Fleisch und nicht zuletzt den Flossen deutlich. Alleine der Anstieg der chinesischen Mittelschicht auf etwa 250 Millionen Menschen lies die Nachfrage nach Flossen explodieren und japanische Billigprodukte bis hin zum Katzenfutter überschwemmen den Markt.
© Gerhard Wegner
Longlining
Eine in den vergangenen 15 Jahren entwickelte Fischereitechnik um gezielt Jagd auf pelagische Fische wie Thun- und Schwertfisch zu machen. Diese Langleinen sind dabei oftmals bis zu 50km lang und tragen dabei mehrere tausend Haken. Beißen Haie an, müssen diese in der Mehrzahl qualvoll verenden, da auf Grund des stark eingeschränkten Bewegungsradius keine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff gewährleistet ist.
Naturschutzverbände bezeichnen diese mittlerweile sehr populäre und weltweit eingesetzte Fangtechnik als die größte Umweltkatastrophe für die Meere. Durch diese Methode wird nicht nur die Zielbeute in großen Stückzahlen genommen, sondern auch Schildkröten, Meeressäuger und andere getötet und wieder über Bord geworfen. Seitdem sich der chinesische Haiflossenmarkt im Aufwind befindet, wird diese Technik auch angewendet, um auch verstärkt Jagd auf Haie zu machen.
Zusammen mit der Grundfischerei, die derzeit wohl größte Bedrohung für unsere Meere. Die s.g. Langleine besteht in der Hauptsache aus einer starken Trageleine, die von einer hydraulischen Winde auf- und abgespult wird; diese Trageleine kann bis zu 50km lang sein. An den beiden Enden der Langleine werden Markierungen (Bojen) angebracht, um diese wieder leichter finden und schneller bergen zu können.
Die Zieltiefe wird in der Regel über Grundgewichte bestimmt, die in regelmäßigen Abständen an der Langleine befestigt werden. Während die Langleine abgespult wird, wird sie in in bestimmten Abständen mit s.g. Leadern versehen.
© Christine Gstoettner
Diese Leader bestehen aus einem Klips, einer ca. 2m langen Nylonschnur und einem Haken (i.d.R. C-Haken oder J-Haken). Die Haken sind beim einklicken auf der Longline mit Köder versehen - auf einer Länge von ca. 50km sind ca. 10.000 Haken zu finden. Die Langleine verbleibt dann bis zu 48 Stunden im Wasser um möglichst lange und effektiv zu fischen. Danach wird eine der beiden Bojen, die das eine uns das andere Ende markieren, angefahren und die Leine mittels der Winde eingeholt. Ist Beute an den Haken gegangen wird der Leader von der Leine getrennt und die Beute separat an Bord gebracht.
Das Problem bei der Langleinenfischerei ist, daß die Fischer in der Regel nur wertvollen Speißefisch erbeuten wollen, wie etwa Thunfisch und Marlin.
Die Köder locken allerdings nicht nur diese, sondern eine Reihe anderer Meerestiere an, wie beispielsweise Kleinwale, Meeresschildkröten, Rochen und Haie. Meeressäuger und Reptilien ersticken, da sie zum Atmen an die Oberfläche steigenmüssen. Bei Haien und Rochen reicht der eingeschränkte Bewegungsfreiraum nicht aus, um genügend sauerstoffreiches Wasser durch die Kiemenspalten zu pumpen. Doch die Langleinenfischer sind an solcher Beute nicht interessiert und ähnlich wie bei der Krabbenfischerei wird alles was nicht der Zielbeute entspricht einfach wieder über Bord geworfen.
Doch seit einigen Jahren, sind auf Grund veränderter Marktbedingungen, die Langleinenefischer auf den Hai gekommen!Der rasch wachsende Bedarf an Haiflossen für Haiflossensuppe und kuriose Heilmethoden, hat eine zusätzliche Einkunftsquelle für die Fischerei erschlossen. Für ein Kilo hochwertige Haiflosse erhalten die Fischer meist zwischen 25-30 US$ - da die Haie bislang durch keinerlei Quotenregelungen geschützt sind, ein einträgliches Geschäft.
Die enorm hohen Gewinnspannen haben aber auch das organisierte Verbrechen auf den Plan gerufen, sodas es heute bereits eine Haiflossenmafia gibt, welche versucht den weltweiten Handel mit dieser Ware zu kontrollieren. Bedenkt man, daß ein Pfund hochwertige Haiflosse für bis zu 400,-- US$ über den Ladentisch geht, sieht man welch enorme Gewinnspannen hier zu erzielen sind!
Finning
© Paul Munzinger
Als Finning wird die Technik des Abtrennes der Flossen vom Körper der Haie bezeichnet. Hier wird auf Grund des hohen Zeitdrucks dem Hai bei lebendigem Leib die Flossen vom Körper getrennt und der restliche Körper wieder ins Wasser zurück geworfen. Das Tier verendet oft erst nach einem stundenlangen Todeskampf qualvoll!
Pervers ist nicht nur die bestialische Praxis sondern auch die Verschwendung von Recourcen, welche hier millionenfach betrieben wird, bedenkt man das die Flossen lediglich 6-8% des Körpergewichtes ausmachen! Neue Gesetze schreiben vor, den Hai erst an Land die Flossen abtrennen zu dürfen. Dies soll den Haifang unrentabel machen, denn die meist sehr kleinen Boote haben lediglich Stauraum für einige wenige Tiere. Das ständige Ein- und Auslaufen zum Zweck des Finnings wäre zu kostenintensiv. Leider gibt es noch kein Konzept wie die Einhaltung solcher Gesetze effektiv überwacht werden soll.
Eine durchaus lobenswerte Initiative der Gesetzgeber, doch ist noch lange nicht geregelt, wie ein solches Gesetz bzw. Verordnung dauerhaft auf deren Einhaltung überprüft werden soll. Bereits in der jüngsten Vergangenheit wurden Fischer gefasst, die versuchten ihren Fang, an Schiffe mit ausländischer Flagge, zu übergeben. Sie wären danach mit leeren Frachträumen in den Hafen eingelaufen und somit keiner Kontrolle negativ aufgefallen.Die Gesetzgeber sind daher weiterhin gefordert, nach Lösungen zu suchen, um dieses hochbrisante Thema effektiv angehen zu können. Eines ist klar - wird weiterhin mit solchen Methoden Raubbau in unseren Meeren betrieben, dann ist der "Selbstbedienungsladen Meer" in wenigen Jahren konkursreif!
Beifang
Jährlich werden 30% von rund 90 Millionen Tonnen Fisch als Beifang über Bord geworfen.
Als Beifang werden in der Fischerei diejenigen Fischarten und Meerestiere bezeichnet, die mit dem Netz oder anderen Massenfischfanggeräten gefangen werden, nicht aber das eigentliche Fangziel darstellen - .d.h. 30 Millionen Tonnen Fisch werden gefangen, getötet und weggeworfen.
Einige Fische dürfen nicht angelandet werden und werden wieder über Board geworfen.Da die Netze meistens mehrere Tonnen Fisch enthalten, überleben diese Tiere dies häufig nicht. Auch Seevögel, Robben, Delfine, Schildkrötzen und Haie gehen jedes Jahr in die Netze. Nach Schätzungen einer WWF-Studie sind das rund 100 Millionen Haie und Rochen pro Jahr, die als Beifang getötet werden.
Treibnetze
© Christine Gstoettner
Weltweit leben rund 200 Millionen Menschen direkt oder indirekt von der Fischereiwirtschaft. So werden tagtäglich weltweit Netze ausgelegt, die man aneinander geknüpft, etwa 40 Mal um die Erde wickeln könnte. Diese Netze sind eine Todesfalle für viele Meerestiere, die gar nicht Ziel dieser Fischereiaktivitäten sind. Es verenden darin unzählige Wale, Delfine, Schildkröten, Haie und andere Meerestiere grausam. Zusätzlich gehen auch große Mengen dieser Netze verloren oder werden gekappt und sind somit nicht einmal mehr für Fischer von Nutzen, sondern nur noch eine Gefahr für viele Meeresbewohner.
In den internationalen Gewässern gibt es nahezu keine Fischereigesetze und der Einsatz der Treibnetze wird nach wie vor vorwiegend von asiatischen Fischereien praktiziert. Aber auch im Mittelmeer wird diese Fangtechnik immer noch durch Spanien oder Italien eingesetzt, obwohl rund 50% der Fänge bei Einholen der Netze verloren gehen. (2)
Hainetze
Der Tourismus ist weltweit ein großes Geschäft, sehr viel Geld und Profit ist hier involviert, denn jedes Jahr zur Urlaubszeit strömen die Erholungsbedürftigen in die Urlaubsländer ihrer Wahl. Die Sonnenhungrigen und die Wassersportler zieht es jedes Jahr an die Strände um dort ihren Hobbys nachzugehen oder um zu relaxen.
Das Auftauchen von Haien oder sogar Unfälle mit Haien dürftenwohl in der Rangliste der Alpträume von Hotelmanagern ganz oben rangieren. Nach einer Serie von Haiunfällen in den sechziger Jahren wurden daher in vielen Regionen s.g. Schutznetze ausgebracht um die Strände "haifrei" zu halten. Das hat u.a. dazu geführt, das übertriebener Aktionismus eben diese Herren bewegt hat Druck auf die Verwaltungen und Regierungen auszuüben um aus deren Sicht geeignete Maßnahmen zu ergreifen um diesem "worst case" zu verhindern.
Heute, einige Jahrzehnte nach diesen Ereignissen liegen immer noch Netze vor der Küste von KwaZulu Natal (Südafrika), Australiens und einigen anderen Küstenabschnitten anderer Nationen und richten in einem Jahr mehr Schaden an, als daß sie in dieser ganzen Zeit Nutzen eingebracht haben. Die Tatsache, daß ca. 45% der Haie auf der Innenseite der Netze (d.h. der dem Strand zugewandte Seite) gefangen werden, scheint die Offiziellen dieser Region weiter nicht zu stören, wie auch die Tatsache das jährlich hunderte Delphine, Seeschildkröten, Rochen und Kleinwale in diesen "Lebensfallen" eine qualvolles Ende finden.
Ein weiterer "Beitrag" zum Umweltschutz ist auch die Tatsache, daß von dem in Südafrika unter Schutz stehenden Weißhai in etwa 50 Exemplare ins Netz gehen und nur tot entnommen werden können. Die "Release Rate", also die Quote der lebenden Freilassung von Haien, steht momentan bei 8% - kein Kommentar!
Der einzig wirksame Schutz vor Haien ist, daß man sich mit dem Verhalten dieser faszinierenden Tiere auseinandersetzt. Eine andere Chance haben wir Menschen und vor allem der Hai nicht. Solange wir nicht bereit sind, zu akzeptieren das es noch andere "Meisterstücke" der Natur gibt, werden wir noch lange nach Antworten auf Fragen suchen, die sich von alleine nicht beantworten. Erst wenn wir bereit sind unsere Blickrichtung für die Haie zu ändern, haben die Haie und damit auch die Menschheit eine Chance zu überleben!
Andere Länder beschreiten schon heute andere Weg in Bezug auf "Ökotourismus" in Verbindung mit Haien. Auf den Bahamas errechnete das Ministerium für Tourismus das jeder lebendige Hai jährlich US$ 20.000,-- an Einnahmen einbringt, also deutlich mehr als diese US$25-30,-- pro Pfund Haiflossen. Ähnliche Projekte wie auf Walkers Cay werden auch anderen Orts angedacht - eine Tendenz die es zu unterstützen gilt, haben wir hier doch eine Win-Win-Situation für beide Seiten!
Sportfischerei
Ein der großen Herrausforderungen der Sportfischerei, ist es einen "kapitalen Brocken" zu fangen. Neben Schwertfischen, Malinen und anderen Großfischen, steht der Hai ganz oben auf der "Wunschliste". Für viele ist es ein Spaß, die Tiere an der Angel oder mit der Harpune im Kampf zu besiegen. Mit den aufgehängten Trophäen präsentieren sie sich später für ein Erinnerungsfoto, bevor der Hai tot wieder ins Meer geworfen wird.
Diese noch vor einigen Jahren übliche Praxis, nach dem Fang die Tiere zu töten, wird in verschiedenen Ländern mitlerweile nicht mehr gern gesehen. Die Sportfischer werden dazu angehalten die Tiere nach dem Fang wieder freizulassen. Viele der Tiere allerdings sterben nach einiger Zeit aufgrund des großen Stresses oder weil sie zu stark geschwächt wurden.
| 20.8.2008 | Print |