Wie auch heute, war schon vor ca. drei bis vier Milliarden Jahren das Wasser die Wiege allen Lebens. Zu diesem Zeitpunkt etwa bildeten sich die ersten Organismen (Bakterien) und daraus die ersten kernlosen Zellen und vor ca. einer Milliarde Jahren begann dann die Entwicklung der ersten Mehrzeller. Von da ab entwickelte sich das Leben rasant; gegen Ende des Silurs, als sich aus Algen die ersten Landpflanzen entwickelten und krebsartige Gliederfüßler sich an die Strände der noch flachen Meere wagten, gab es bereits Vorfahren unserer Haie - die Ältesten davon waren die Panzerfische.
© Urzeitmuseeum Hauf
Die frühesten fossilen Beweise von der Existenz fischartiger Lebewesen datieren sich auf eine Zeit vor ca. 500-550 Million Jahre zurück. Diese sind leider nur Bruchstücke der frühesten Entwicklungsperiode, die ersten gut erhaltenen Fossilien stammen aus der Mitte der Periode des Ordoviziums (vor ca. 470 Mio. Jahren). Diese Tiere hatten einen flachen mit einem Platten überzogenen Körper - diese frühen Fische gehörten zu den Kieferlosen.
Zur Zeit des Devon (vor. 400 Mio. Jahren) beschleunigte sich der Prozess der Evolution und es entwickelten sich mehr und mehr Arten und damit auch die Ausgangsformen der Haie; einer dieser Vertreter war der Xenacanthus. Diese Panzerfische waren noch vorwiegend von Knochenplatten geschützt. Sie erreichten wahrscheinlich im ausgewachsenen Zustand Größen von 20 cm bis ca. 1 m und besaßen ein unterständiges Maul.
Auch verfügten diese über zwei Rückenflossen mit kurzen Dornen; das Innenskelett war verknöchert. Da sich die fischartigen Tiere sowohl im Süß- als auch im Salzwasser entwickelten, ist bislang noch nicht geklärt, wo der Startschuss für die Entwicklung der Haie fiel.
Sowohl versteinerte Funde von Haizähnen, als auch die wenigen gut erhaltenen Fossilien von frühen Haien, beweisen zu dieser Periode die Existenz derer in beiden Lebensräumen.
Das Zeitalter der Haie
Vor ca. 400 Millionen Jahren, zur Zeit des frühen Devon, als sich unter den Pflanzen auf den vorhandenen Landmassen Bärlappgewächse, Schachtelhalme und Farne auszubreiten begannen, wurden die Panzerfische (Placodermi) durch den ersten wirklichen Knorpelfisch, den Cladoselache, verdrängt.
Es wird vermutet, dass die ersten Cladoselache-Arten Süßwasserarten waren und erst später im Meer auftraten; Funde aus den USA z.B. in den Schiefersteinbrüchen rund um die Ufer des Eriesee beweisen, dass schon zu dieser Zeit Vorfahren der Haie die Gewässer bevölkerten (ältester bewiesener Fund 360 Millionen Jahre alt).
© Christine Staacks
Erste Haischuppen stammen aus dem Landovery Schieder in der Mongolei und sind ca. 410 Millionen Jahre alt.Cladoselache erreichte vermutlich im ausgewachsenen Zustand lediglich Größen diesseits der 200 cm, sie besaßen schon die haitypische Körperform, große Augen und ein Maul endständig der Schnauze wie bei vielen (es gibt lediglich einige wenige solcher Arten, der Rest ist unterständig) heute vorkommenden Haiarten. Durch fossile Funde bewiesen, besaß Cladoselache ein Knorpel-skelett, mehrspitzige Zähne, seitlich gelegene Kiemenspalten, zwei Rückenflossen, mit je einem Dorn vor deren Basis, und eine halbmondförmige Schwanzflosse mit kräftigen Kielen an deren Wurzel.
Aber wie lebten diese ersten Vorfahren unserer heutigen Haie?
Wahrscheinlich waren die ersten Haie Jäger des offenen Meeres und ihre Beute waren kleinere Fische, die sie ganz verschluckten oder mit ihren scharfen Zähnen in Stücke zerrissen. Auf Grund der großen Augen wird vermutet, dass sie ihre Beute visuell ausmachten. Der starke thunfischähnliche Schwanz lässt vermuten, dass es sich um kraftvolle Schwimmer handelte, doch die relativ kleinen Brust- und Rückenflossen dürften nur eine eingeschränkte Beweglichkeit ermöglicht haben. Da zu diesem Zeitpunkt schon weitaus größere Räuber die Meere durchstreiften, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Cladoselache selber als Beute dienten und für diese größeren Räuber eine willkommene Mahlzeit darboten.
Mit dem Ende des Karbon, vor ca. 290 Millionen Jahren, war Cladoselache verschwunden. Andere modernere Knorpelfische hatten ihren Platz in der Evolutionsgeschichte eingenommen - die Ordnung der Hybodontiformes wird heute als die, den modernen Haien am Nächsten angesehen und damit als Ausgangsbasis der heute lebenden Haie betrachtet.
Diese Haie verfügten durch ihre veränderten Flossen über eine verbesserte Schwimm- und Manövrierfähigkeit, eine Analflosse war vorhanden und die männlichen Tiere besaßen Klasper (paariges Geschlechtsorgan). Einige Arten verfügten über zwei verschiedene Formen von Zähnen, was ihnen eine weitreichendere Möglichkeit der Ernährung ermöglichte.
Diese hatten scharfe Zähne im Vorderteil der Kiefer und flache plattenartige im hinteren Teil - damit konnten sie Muscheln, Schnecken und durch Gehäuse geschützte Krebse verbeißen. Die "Blütezeit" der hybodonten Haie dauerte in etwa bis zum Ende der Kreidezeit. Hybodonte Haie starben vor ca. 65 Millionen Jahren aus. Die ersten Stierkopf- und Katzenhaie, gefolgt von den Grauhaien, erschienen im Jura, zu einer Zeit, wo auch noch verschiedenste Saurier auf diesem Planeten lebten. Es wird heute angenommen, dass sich zum Zeitpunkt der späten Kreidezeit alle heutigen Haiarten gebildet hatten und sich seither nur wenig verändert haben. Mit Beginn des Tertiär, vor 65 Millionen Jahren, in der Zeit in der sich die Gebirge aus den Meeren erhoben, schwammen dann die meisten Vertreter aller jetzt lebenden Haiarten durch die Meere. Heute beträgt der Anteil der Haiarten ganze drei Prozent gemessen am Artenreichtum der Fisch- und Fischartigen (ca. 24.000 Arten); Forscher sind der Ansicht, dass zur Zeit zwischen der Periode des Jura (vor ca. 200-145 Mio. Jahren) und des Endes der Periode der Kreidezeit (vor ca. 145-65 Mio Jahren), der Anteil der Haie am Lebensspektrum der Fischartigen, bis zu 60% betrug.
Der Megalodon
© Harald Bänsch
Ein ganz besonderer Vertreter dieser Hochkultur war der Megalodon - ein Raubhai mit gigantischen Ausmaßen. Er lebte vor ca. 25 - 5 Millionen Jahren. Kein heute lebender Hai kommt der Sage eines Urmonsters, eines Seeungeheuers, näher als der Carcharocles megalodon . Dieser Hai, respektvoll Megalodon genannt, war ein riesiger Raubhai. Erste Rekonstruktionen gingen von einer Länge bis zu 18 Meter aus. Neuere Forschungen reduzieren diese These auf realistisch 12-13 Meter. Damit dürften die Tiere zwischen 12 - 15 Tonnen gewogen haben, die Schwanzflosse war gigantische 4 mtr. und die Rückenflossen noch 2 mtr. hoch. Damit war der Megalodon etwa doppelt so groß, wie ein Weißer Hai.
Was heute noch von seinen gigantischen Ausmaßen zeugt, sind seine Zähne. Der größte bislang gefundene Zahn, maß stolze 13,4 cm x 15,4 cm. Heute befindet sich dieser Zahn im British Museum of Natural History.
Die Nahrung des Megalodon waren große Meeressäuger, wie fossile Indizien für Angriffe auf Wale zu beweisen scheinen. Megalodon scheint vor ungefähr 5 Millionen Jahren ausgestorben
zu sein. Aufgrund neuerer Fossilienfunde gehen einige Wissenschaftler heute davon aus, dass einige Exemplare noch in jüngerer Vergangenheit gelebt haben könnten, vor ca. 24.000 - 11.000 Jahren.
Fantasyfans vermuten deshalb sogar noch heute lebende Megalodons in der Tiefsee. Diese Thesen darf jedoch getrost verwerfen. Ein Raubtier dieser Größe wäre in unseren überfischten Weltmeeren niemals unentdeckt geblieben.
Der Grund des Aussterbens ist völlig unklar. Einige Thesen vermuten eine Weiterentwicklung seiner spezialisierten Nahrung, den Walen, die ihm die Jagd immer mehr erschwerte. Lange Zeit waren Wissenschaftler der Meinung, dass der Megalodon zur gleichen Familie wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) gehört und sogar einer der Vorfahren des heutigen Weißen Hais ist. Fossilienfunde belegten jedoch eindeutig, dass beide Arten zeitgleich gelebt haben. Der Megalodon wird deshalb heute der eigenen Familie Carcharocles (Carcharocles megalodon) zugeordnet.
Fossile Zeugen einer ehemaligen "Hochkultur"
Haie bestehen zu über 90% aus leicht zersetzbaren Geweben d.h. dass nach dem Ableben des Tieres dieses sofort in die Verwesung übergeht und außer den aus Dentin bestehenden Zähnen nichts mehr zurück bleibt.
Das macht auch das Leben der Paläontologen nicht leicht, die Artenvielfalt der Haie vergangener Zeiten zu strukturieren. Oft können sich diese Wissenschaftler nur anhand von Zähnen und Zahnplatten ein Bild vom Artenspektrum der einzelnen Perioden machen.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die wenigen fossilen Funde von Haien wie Schätze gehandelt werden.
| 20.8.2008 | Print |