© Christine Gstöttner
Die Muskeln der Haie entsprechen in ihrer Form und Funktion im Großen und Ganzen denen aller Wirbeltiere. Es gibt Muskeln für die unterschiedlichsten Zwecke: solche die lang ausdauernd sind und kontinuierlich Leistung bringen, wie z.B. die des Herzen; andere welche ebenfalls vergleichbare Leistung bringen, aber beeinflussbar sind, wie etwa Muskeln welche für die Atmung verantwortlich sind; und dann sind da noch diejenigen Muskelgruppen die nur durch gezielte Impulse in Aktion treten. Diese unterliegen der direkten Kontrolle des Gehirns und können nach Belieben bewegt werden.
Die Muskeln der Haie bestehen aus haarfeinen Fasersträngen, diese enthalten Proteine (Actin und Myosin), welche die eigentliche Kontraktion erzeugen. In einer Art chemischen Gegenbewegung "fließen" diese Proteine hin und her.
Wie die Muskeln der Landwirbeltiere können sich auch die der Haie nur zusammenziehen und nicht strecken, d.h. die Muskelgruppen sind gegenläufig d.h. antagonistisch angeordnet. Wenn sich der eine zusammenzieht dehnt sich der gegenläufige Muskel und entspannt sich damit.
Vom Zusammenziehen und Strecken, das Biegen der Wirbelsäule, bei dem sich die Bewegung bis zur Schwanzflosse hin fortsetzt. Die Kontraktionsbänder der Muskeln verlaufen zickzackförmig an den Körperflanken des Hais entlang. Die einzelnen "Muskelbänder" werden auch Myomere genannt. Diese sind mittels eines Bindegewebes, dem Myoseptum, mit dem Knorpelskelett verbunden. Die Anzahl der Myomere entspricht denen anderer Wirbeltiere, doch die besondere Anordnung dieser Muskeln beim Hai machen diese besonders effektiv; Doch es sind die zwei verschiedenen Gruppen von Muskeln, welche den Hai auch hier auszeichnen: die weißen und die roten Muskeln. Zu etwa 10% besteht das Muskelgewebe des Hais aus rotem Gewebe und zu etwa 90% aus weißem. Das rote Muskelgewebe liegt ähnlich einer Bindegewebsschicht unter der Haut und das Weiße zylinderförmig angeordnet im Körperinneren.
Das rote, gut durchblutete, Muskelgewebe dient dem Hai zum Schwimmen in "normaler" Schwimmgeschwindigkeit (ca. 5 km/h). Die weißen, schlecht durchbluteten, Muskeln sind zuständig für kurze schnelle Sprints, z.B. zur Jagd schneller Beute oder auf der Flucht. Doch die schlechte Durchblutung zollt ihren Preis und sorgt dafür, dass dem Hai relativ schnell die "Puste" ausgeht. Das bedeutet, dass die Muskeln sehr schnell ermüden, da diese nicht schnell genug mit Sauerstoff versorgt werden können. Damit ist auch zu erklären, dass Haie nach einer relativ kurzen aber schnellen Verfolgungsjagd plötzlich abdrehen und mit normalem Tempo weiter schwimmen - der Hai ist "ausgepowert"!
Einige wenige Haiarten verfügen noch über ein "Wundernetz", das sog. Rete mirabile. Es handelt sich dabei um eine dünne Schicht feinster Blutbahnen, die im engen Kontakt zu denen stehen, welche das sauerstoffarme dafür aber warme Blut vom Körperinneren weg Richtung Kiemen transportieren. Dabei findet eine Art Wärmetausch statt; das feine Netz von Blutbahnen übernimmt den Großteil der Wärme, welche sonst über die Kiemen, an das kalte vorbeiströmende Wasser verloren gegangen wäre. Mittels dieser anatomischen Besonderheit sind diese Haie in der Lage, ihre Körpertemperatur bis zu 12°C über der des sie umgebenden Wassers zu halten - in der Fachsprache bezeichnet man auch solche Tiere als Pseudo-Warmblüter. Der Vorteil liegt auf der Hand: ein jeder Sportler weiß, dass ein warmer Muskel leistungsfähiger ist als ein kalter. Es handelt sich daher bei diesen Haien um schnelle kraftvolle Schwimmer und Jäger wie etwa den Makohaien, dem Fuchshai und auch dem wohl bekanntesten Vertreter seiner "Zunft", dem Großen Weißen Hai.
| 10.9.2008 | Print |