© Christine Gstoettner
Über Jahrhunderte bis in die Neuzeit diente Haihaut dem Menschen als haltbares, lederartiges Material das für viele Zwecke hervorragende Dienste leistet. Vor allem deren sandpapier-ähnlichen Struktur und die hohe Reißfestigkeit waren Eigenschaften die zum einen für Bearbeitung harter Oberflächen sprach als auch als Schutzbekleidung und als Grifffläche, wie etwa bei Stichwaffen. Zu Zeiten der Römer waren deren Helme mit Haihaut überzogen und bei anderen Völkern wurde Schutzbekleidung mit dieser überzogen.
Haihaut verfügt über eine außergewöhnlich hohe Reißfestigkeit von etwa 3.000-4.000 kg/cm² und auf Grund der Plakoidschuppen, die aus dem selben Material bestehen wie die Zähne im Kiefer des Hais, zeigt Haihaut bei Einsatz als Schleifpapier nur sehr langsam Abnutzungserscheinungen.
Doch Haihaut ist vielmehr als nur eine Hülle für den Hai oder ein nützliches Instrument für uns Menschen. Wie bei allen Wirbeltieren bis hin zu uns Menschen besteht auch die Haut der Haie aus zwei Schichten: die Außenhaut oder auch Epidermis genannt und die Innenhaut, die Innerdermis. Die Haut besteht aus den unterschiedlichsten Gewebearten, wie etwa dem Bindegewebe, Muskelfasern, Nervenzellen welche auf äußere Einflüsse reagieren und einem feinen System von Blutbahnen um die Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen und damit den kontinuierlichen Erneuerungsprozess zu ermöglichen.
Die Haut, vieler größerer Haiarten, weist eine beachtliche Dicke auf; abhängig vom Geschlecht des Hais kann diese mehr als fingerdick sein. An manchen Körperteilen des Walhais ist seine Haut 10-15cm dick und kann selbst einen Angriff durch eine Harpune widerstehen.
Schuppen oder Hautzähnchen?
© Christine Gstoettner/Naturhist. Museum Wien
Die Vorfahren der Haie besaßen, im Gegensatz zu den heutigen Haien, große Knorpel- bzw. Knochenplatten um ihren Körper vor äußeren Einflüssen zu bewahren. Im Verlauf der Evolution haben sich diese zu Dentin-überzogenen kleinen Hautzähnchen entwickelt, welche den ganzen Körper des Hais bedecken - sie werden auch Plakoidzähnchen genannt.
Diese Plakoidschuppen oder auch Plakoidzähnchen bestehen aus dem gleichen Material wie die Zähne, welche der Hai im Maul hat. Diese Plakoidschuppen sind im Reich der Tiere einzigartig und alleine auf die Klasse der Knorpelfische beschränkt.
Wie auch die Zähne des Menschen wird jedes Plakoidzähnchen durch einen Nerv mit feinen Blutbahnen versorgt und so am Leben gehalten. Erst wenn es seine volle Größe erreicht hat werden die "Versorgungskanäle" geschlossen und das Plakoidzähnchen fällt wenig später aus und wird sodann gleich durch ein Neues ersetzt.
Wie auch die unterschiedlichen Arten der Haie, variieren die Hautzähnchen in Form und Größe stark und eine Identifizierung der Art anhand dieser wäre durchaus möglich. Beim Nagelhai, welcher nur über wenige, dafür aber sehr große Hautzähnchen verfügt, bis hin zu Arten, wo deren Größe wenige Millimeter nicht überschreitet reicht das Spektrum. Alle samt haben sie aber gemein, dass diese nur entgegen der Schwimmrichtung (in Strömungsrichtung) wachsen, wie im Beispiel des Nagelhais maximal senkrecht vom Körper weg, aber nie in Schwimmrichtung (entgegen der Strömung). Selbst am Körper des gleichen Hais verändert sich die Form der Plakoidschuppen je nach Lage des Körpers. Im Bereich des Mauls sind diese abgerundet und mit den Geschmacksknospen verbunden, an anderen Körperteilen sind diese strömungsoptimiert geformt oder anderen Einsatzbedingungen angepasst.
Wofür so eine Haut noch so gut ist:
Die Mehrzahl aller Haie sind aktive Jäger; die Muster und Farben ihrer Haut dienen daher mehr der Tarnung und Täuschung. Doch entgegen den landlebenden Tieren erfordert auch hier die Umgebung der Meere und Ozeane von den Haien eine besondere Anpassung. Wasser filtriert mit zunehmender Tiefe das Farbspektrum heraus und lässt zum Schluss nur noch dunkle Farbtöne wie Dunkelblau, Grau und Schwarz zu. Daher spielen Farbvariationen nicht so eine große Rolle wie etwa bei den unzähligen Korallenfischen. Allerdings wie auch an Land spielen Kontraste eine große Rolle; das Zusammenspiel von Hell und Dunkel wie auch die unterschiedlichen Muster (Ornamente, Streifen, Augenflecken etc.) dienen der Tarnung als auch der Verwirrung von Opfern wie auch von Jägern.
Die meisten Haie behalten die Farbgebung und ihr Muster bei, welches sie von Geburt an zeigen. Bei einigen Arten wechseln diese aber im Verlauf ihrer Entwicklung vom Jungtier zum ausgewachsenen Hai. Andere Haie wechseln im Verlauf ihrer Entwicklung.
Der Tigerhai zum Beispiel besitzt als Junghai eine deutliche Streifenzeichnung, welche ihm auch seinen Namen eingebracht hat. Doch mit zunehmenden Alter verschwindet diese bis sie nicht mehr sichtbar und einem Einheitsgrau ganz gewichen ist.
Ähnlich ergeht es den Zebrahaien; als Jungtiere verfügen sie über das auffällige Zebramuster, doch als adulte Tiere verlieren sich diese vielen Punkte, welche kein zusammenhängendes Muster mehr ergeben.
Andere Haie dunkeln lediglich nach, wenn diese mit zunehmender Körpergröße von helleren, lichtdurchsetzteren Lebensräumen in tiefere Wasserschichten abwandern. Haie aus Lebensräumen mit schlechten Sichtverhältnissen und oft schlammigen und dunklen Bodengründen haben nur eine Farbe von Kopf bis Schwanz, wie etwa der Ammenhai. Haie aus den ewig dunklen Tiefen benötigen keinerlei Farbe und sind daher meist Dunkelbraun bis Schwarz gefärbt.
Einige Tiefseearten verfügen noch über kleine Leuchtorgane, wie etwa der Laternenhai. Sinn und Zweck dieser Organe ist noch nicht genau erforscht, doch ist denkbar, dass diese dem Beutefang oder der Partnersuche dienen. Eine Kontrastfärbung besitzen viele Haie der offenen See (Pelagial) - sie nutzen den Effekt des Gegenlichtes. Sie sind in der Regel von Dunkelblau über Bronze bis hin zu Braun und Schwarz auf der Körperoberseite gefärbt. Fressfeinde und potentielle Beute kann sie daher schwer oder gar nicht von oben ausmachen. Ihre Farbe verschwimmt mit der Wasserbewegung und der Wasserfärbung. Die Körperunterseite dieser Haie ist hell und ist meist Weiß bis Hellgrau. Auch hier verschwimmen, von unten betrachtet, deren Körperumrisse gegen das von der Wasseroberfläche einfallende Licht.
Die Farbsubstanzen, auch Pigmente genannt, werden von mikroskopisch kleinen sternförmigen Zellen produziert. Diese liegen in der Haut des Hais und werden Chromatophoren genannt. Die Pigmente können sich frei innerhalb der Zelle bewegen; konzentrieren sich diese im Zellkern scheint das dahinter liegende Gewebe durch und die Haihaut erscheint heller. Verteilen sich die Pigmentmoleküle wieder in der Zelle, erscheint die eigentliche Färbung der Haut (meist dunkel).
Der Wobbegong treibt die Tarnung "auf die Spitze": durch fransenartige Fortsätze verschwimmen dessen Umrisse noch zusätzlich und der Hai verschmilzt regelrecht mit seiner Umgebung. So ist der Wobbegong gut geschützt und kann kraftsparend auf Beute laueren.
Haihaut und Technik
Zusätzliche Eigenschaften der Haihaut wurden erst spät entdeckt. Ein Team von Hydrodynamikern der Technischen Universität Berlin erhielt 1998 den Philip Morris Forschungspreis für ihre Entdeckung der hydrodynamischen Eigenschaften der Haihaut. Diese Wissenschaftler fanden heraus, dass die Struktur der Haihaut kleine Wirbel auf deren Haut erzeugt, auf welchen sie mit weitaus weniger Energie durch das Wasser gleiten als vergleichsweise andere Meerestiere. Eine Folie, ähnlich der Struktur der Haihaut, wurde entwickelt und an Verkehrsflugzeugen angebracht. Das Ergebnis war überwältigend: bis zu 12% Kerosinersparnis ohne Geschwindigkeitsverlust und das mit einer relativ einfach gemachten Folie. Der Rumpf einer Yacht wurde ebenfalls mit einer solchen Folie beschichtet und diese konnte im ersten Anlauf ein prestigeträchtiges Rennen auf Anhieb gewinnen.
Noch eine weiter Eigenschaft dieser Verwirbelungen auf der Haihaut wollen Forscher entdeckt haben: diese Wirbel absorbieren bis zu einem gewissen Maß Unterwassergeräusche, wie etwa die Klickgeräusche von Delphinen. Es soll daher den Haien, wie ein akustisches Tarnnetz dienen, mit Hilfe dessen sie sich regelrecht "anschleichen" können.
| 10.9.2008 | Print |