Mit Ausnahme der Lebewesen, denen der Meeresboden dauerhaft als Lebensraum dient, müssen diese im Meer mittels anatomischer Besonderheiten für Auftrieb sorgen, um nicht ständig abzusinken.
© Christine Gstoettner
Viele Knochenfische verfügen über eine Gasblase, die Auftrieb verschafft, denn Weichtiere verfügen über "Baustoffe" deren Dichte geringer ist als des sie umgebenden Wassers.
Doch Haie verfügen über keine dieser anatomischen "Bauteile" - sie haben sich auf andere Weise diesem Umstand angepaßt und im Verlauf der Evolution das schwere Knochenskelett abgelegt und durch ein leichteres und flexibles Knorpelskelett ersetzt.
Die Leber
Eine weitere Anpassung ist eine grosse, ölhaltige Leber, die zusätzlich Auftrieb verschafft. Diese kann bei manchen Arten bis zu 20% des Körpervolumens ausmachen und enthält Squalen, eine fettreiche und ölhaltige Substanz. Squalen hat in etwa eine Dichte von 0.86 im Vergleich zu Meerwasser mit 1.026. Ein Kilo Leber ergibt in etwa einen Liter Öl. Dieses Öl wurde früher oft für Tranfunzeln verwendet, heute hingegen findet die Leber nur noch Verwendung in der Kosmetikindustrie.
Die rücksichtslose Ausbeutung der Risenhaibestände, hat in europäischen Gewässern fast zu Ausrottung dieser Tiere geführt. Aber auch andere grosswüchsige Haie, wie beispielsweise der Walhai verfügen über eine große Leber. Lange galt es als erwiesen, daß Haie permanent schwimmen müssen, und dazu eine grosse Leber sehr hilfreich ist - doch die Entdeckung, "schlafender" Haie in Höhlen und am Meeresboden widerlegte diese Auffassung. Richtig ist, daß Haie permanent schwimmen müssen um nicht zu Boden zu sinken, doch einige Arten sind durchaus in der Lage längere Zeit am Meeresboden zu rasten. Bei Sandtigerhaien wurde auch schon beobachtet, daß diese an die Wasseroberfläche steigen und Luft schlucken, welche dann im Magen "gespeichert" wird und so zusätzlichen Auftrieb erzeugt.
Der Schwimmstil
© Christine Gstoettner
Wer jemals Haie in ihrer Umgebung beobachten konnte, hat sicherlich den Eindruck gewonnen, daß diese Tiere durch ihren grazilen Schwimmstil die physikalischen Gesetze nahezu außer Kraft zu setzen scheinen.
Wasser ist etwa 800 mal dichter als die uns umgebende Luft, es erfordert wesentlich mehr Kraft um sich darin zu bewegen und scheint sich jedem Versuch zu widersetzen es zu verdrängen. Im Wasser selber gibt es keinen Fixpunkt, von dem aus man in der Lage wäre, um gegen die Wasserkraft anzukämpfen.
Die Haie können dies nicht außer Kraft setzen und sind diesen Umständen wie alle anderen Lebewesen ausgeliefert, doch haben die Haie diese Einflüsse zu deren Vorteil genutzt. Eine Form der Anpassung ist ihr sehr strömungsoptimierter Körperbau. Um den Wasserwiderstand zu überwinden, bedarf es aber noch einer weiteren Einheit - Schub. Dieser wird durch die Körperbewegung, mit dem Schwanz als Resultierende. Muskelkontraktionen im Haikörper erzeugen stets eine gegenläufige Bewegung. So ergibt sich der s-förmige Bewegungsstil vieler Haie, der durch diesen rhythmischen Bewegungsstil das Wasser am Hai vorbei zieht und durch die Schwanzflosse Vortrieb erzeugt.
Haie sind wendige und schnelle Schwimmer, die sich, wie schon zuvor mehrfach aufgezeigt, auf ideale Art und Weise ihrem Element angepaßt haben. Doch leider sind Haie nicht ganz frei von Nachteilen; sie können z.B. nicht abrupt bremsen, da sie ihre Brustflossen nur ähnlich einem Höhenruder eines Flugzeuges bewegen können, aber nicht bedingt aufstellen um mit ihnen schnell abzubremsen. Daher mussten Haie sich ein grosses Repertoire an Ausweichmanövern aneignen, um diesen Nachteil auszugleichen. Die schon erwähnte eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit der Brustflossen ist auch der Grund, daß Haie nicht wie Knochenfische rückwärts schwimmen können.
| 20.8.2008 | Print |